Showing: 21 - 30 of 41 RESULTS
gerd gross
Ausgrabungen

Die Entdeckung 1971

Entdeckung 1971

gerd gross

Auf der Suche nach einem mittelalterlichen Weiler entdeckte der Bürgermeister der Gemeinde Stein, Gerd Schollian, im Jahr 1971 im Wald „Tuffelbach“ die ersten Mauern. Nach weiteren Sondagen wurde klar, dass es sich um die Reste eines römischen Gutshofes, einer sogenannten Villa Rustica, handelt. Das zuständige Landesdenkmalamt in Tübingen führte schließlich in den Jahren 1978 -1981 jeweils mehrmonatige Grabungskampagnen durch, die das Haupt- und das Badegebäude umfassten.

1992 wurden die jährlichen Dauerausgrabungen aufgenommen. Darüber gibt der Menüpunkt „Ausgrabungen“ ausführliche  Informationen.

 

 

Ausgrabungen

Grundsätzliches zu Ausgrabungen

Grabungstechnik

In diesem Beitrag werden die hier angewandten Grabungsmethoden kurz dargestellt. 

Klassische Ausgrabung

  • Ziel ist die komplette Erkundung des Befundes.
  • Die Fläche wird in Bodenschichten (Planum) abgetragen.
  • Jedes Planum wird dokumentiert.
  • Die Anzahl der ergrabenen Schichten hängt vom Befund ab.
  • Großer Grabungsaufwand
  • Das letzte Planum ist die ungestörte, hier: vorrömische Erdschicht.

Das bedeutet letztlich die komplette Zerstörung des archäologischen Befundes. Ein aussagekräftiges Beispiel hierfür finden Sie weiter unten (Beispiel Eckturm). Dieses Verfahren wurde bis 2014 bei der Dauergrabung angewendet.

Prospektion

  • Ziel ist hier nur die oberflächliche Erkundung, z.B. nur die Freilegung von Gebäudeecken.
  • Es werden nicht alle Schichten abgetragen, sondern meist nur eine oder zwei.
  • Nur die freigelegten Ebenen werden dokumentiert.
  • Der Aufwand ist deutlich kleiner.
  • Nach Abschluss wird der Befund mit Erde bedeckt.

Somit wird der verbleibende Befund der Nachwelt als Bodendenkmal erhalten. Grundsätzlich wird daher nur noch die Prospektion angewendet. Hier in der Anlage wurde diese Vorgehensweise beim Gebäude M gewählt und seit 2015 bei der Dauergrabung.

Neue Verfahren

  • Laser-Scanning (z.B. LIDAR), Geophysikalische Prospektion, Foto-Grammetrie.
  • Hier werden die Flächen nicht angetastet. Mit Hilfe der erwähnten Verfahren wird sozusagen eine Ausgrabung am PC durchgeführt.
  • Die Geländearbeit beschränkt sich auf Messarbeiten.
  • Der Aufwand im Gelände ist relativ klein.
  • Der Befund bleibt ungestört als Bodendenkmal erhalten

Diese Verfahren werden in der Anlage zunehmend eingesetzt. So wurde 2017 das Gelände unterhalb des Haupthauses mit einer geophysikalischen Methode untersucht. Hierbei erhärtete sich die Vermutung, dass dort möglicherweise die letzte jüngste Südmauer verlief.

Klassische Methode der Ausgrabung: am Beispiel des Eckturmes

Planum 0 : aktuelle Bodenoberfläche

Planum 1 : Abtrag der Bodenoberfläche, erste erkennbare Ebene

Planum 2 : Abtrag Planum 1, nächste erkennbare Ebene

Planum 3 : Abtrag Planum 2, nächste erkennbare Ebene 

usw. bis Planum x : Abtrag des vorherigen Planum, bis die ungestörte vorrömische Ebene erreicht ist.

Dies soll anhand der Fotos der einzelnen Ebenen beispielhaft dargestellt werden, die den Innenraumdes Nordwest-Turms zeigen.

Planum 1: nach Abtrag Humus   

2006 Eckturm Planum1 IMG 2214

Planum 1/2: nächste Ebene durch Ziegelschicht erkennbar

2006 Eckturm Planum1 Abbau IMG 2223

 Planum 2: Ziegelschicht komplett freigelegt

2006 IMG 2283

Planum 3: Ziegelschicht abgetragen, römische Oberfläche (Laufhorizont)

2006 IMG 2421

Planum 4 : ungestörte, vorrömische Bodenschicht

2006 IMG 2459

Zurück zum Menüpunkt „Ausgrabungen“

Museum

Projektionen

Hinweis: Durch Anklicken der Bilder können Sie Vergrösserungen sehen.

{gallery lightbox=“boxplus/dark“ rows=1 cols=3 }villabilder/3dneu{/gallery}

Ein Projekt von Robert Kuchar und Timo Schairer beim Lehr- und Forschungsbereich Graphisch-Interaktive Systeme am Wilhelm-Schickard-Institut für Informatik (WSI/GRIS) der Universität Tübingen (2003).

Die Villa

Das Museum

Einen kurzen aber informativen Einstieg erhalten Besucher anhand einer 15-minütigen Tonbildschau. Im Keller verdeutlichen Modelle das Aussehen des gesamten Hauptgebäudes mit Bad und Tempelbezirk. In Dioramen werden römische Alltagsszenen gezeigt.
Als Ergänzung führen zahlreiche Tafeln in die römische Geschichte unseres Landes ein. Ausführlicher wird die wechselvolle Geschichte der Villa Rustica von Hechingen-Stein behandelt. Ausserdem kann sich der Besucher über römische Bautechnik, Landvermessung, Landwirtschaft und Ernährung und vieles andere mehr kundig machen.

Rekonstruierter Wohnraum

Die Räume im rekonstruierten Teil des Hauptgebäudes wurden als Museum eingerichtet. Neben der Präsentation von Originalfunden bekommt der Besucher auch nachgebaute römische Wohnräume zu sehen. Diese wurden mit Wandmalereien und Möbeln nach antiken Vorbildern ausgestattet.

Ausstellungsraum mit Originalfunden

Die Ausstellung zeigt die Originalfunde in einem repräsentativen Querschnitt. Das umfangreiche römische Fundmaterial besteht hauptsächlich aus Keramik. Neben alltäglicher Tonware ist auch Terra Sigillata, das römische Tafelgeschirr, ausgestellt. Wein- und Ölamphoren, die teilweise aus Spanien und Südfrankreich importiert wurden, runden die Keramikfunde ab.

Die Metallfunde aus Eisen bestehen u.a. aus zahlreichen Werkzeugen. Weiterhin wurden aus Bronze Schmückstücke wie Fibeln und Gebrauchsgegenstände wie Löffel und Schreibgriffel gefunden. Nähnadeln, Knochen und zahlreiche Münzen runden das Fundspektrum ab.

Römische Gebrauchskeramik

Römisches Tafelgeschirr, sog. Terra Sigillata


Fibeln mit bunten Glas- und Emaileinlagen, eine Gürtelschnalle aus Bronze und Haarnadeln aus Bronze und Bein

Werkzeuge und Geräte

Eisengeräte, die in der Landwirtschaft und beim Hausbau benutzt wurden.